#57 Simulation in der Medizintechnik – wie sie Produktentwicklung und Regulierung verändert

Shownotes

MedTalk ON AIR

**57. Folge MedTalk on Air – Simulation in der Medizintechnik ** mit Patrick Lerge, Senior Simulation Engineer bei der EDAG Group

Simulation gewinnt in der Medizintechnik zunehmend an Bedeutung – sowohl in der Produktentwicklung als auch im regulatorischen Kontext. In dieser Folge von MedTalk on Air spricht Julia Steckeler mit Patrick Lerge über die Potenziale von Simulation und darüber, wie Unternehmen konkret davon profitieren können.

Unter anderem geht es um: • Was bedeutet Simulation in der Medizintechnik überhaupt? • Einsatz entlang des Entwicklungsprozesses • Transfer aus der Automobilindustrie • Konkrete Vorteile für MedTech-Unternehmen • Einstiegsmöglichkeiten für KMU • Simulation der Lebensdauer von Medizinprodukten • Kombination von Simulation und realen Nutzungsdaten • Regulatorische Einordnung (MDR, In-Silico-Ansätze) • Zukunftsperspektiven der Simulation in MedTech

Unser Gast in dieser Episode:
Patrick Lerge, Senior Simulation Engineer, EDAG Group Unsere Gastgeberin in dieser Episode:
Julia Steckeler, Geschäftsführerin der MedicalMountains GmbH

Der Medizintechnik-Podcast wird präsentiert von der MedicalMountains GmbH.
Links
Web: www.medicalmountains.de
Podcast: medtalk.podigee.io
LinkedIn: @medicalmountains

Transkript anzeigen

00:00:01: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von METOC ON AIR, dem Podcast der Medical Mountains.

00:00:13: Heute sprechen wir über ein Thema das in vielen Industrien längst selbstverständlich ist – in der Medizintechnik aber gerade erst so richtig Fahrt aufnimmt!

00:00:21: Die Simulation in der Produktentwicklung.

00:00:24: Simulation kann helfen, Produkte besser zu verstehen, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und Risiken frühzeitig zu erkennen.

00:00:31: Und gleichzeitig eröffnet sie viele neue Möglichkeiten und Potenziale – zum Beispiel bei der Erfüllung regulatorischer Anforderungen wie bei der Generierung klinischer Evidenz.

00:00:40: Über diese Themen sprechen wir heute mit Patrick Lerge, Senior Simulation Engineer bei der EDAC Group.

00:00:45: Patrick bringt viel praktische Erfahrungen aus der Automobilbranche mit, hat aber auch Medizintechnik studiert und ist zwischen diesen beiden Welten sehr stark im Mettec-Feld und der Simulation aktiv.

00:00:58: Und die EDAC Group ist übrigens auch Partner in unserem Projekt Case Format.

00:01:02: Das steht für Computer-Edit Solution Engineering for Medical.

00:01:06: In diesem Projekt arbeiten wir gemeinsam daran, die Zukunftstechnologien Simulation und Datenanalyse stärker in der Medizintechnik nutzbar zu machen.

00:01:14: Patrick schön dass du heute hier bist!

00:01:16: Julia hallo vielen Dank für die Einladung und ja schön mit dir zusammen im Podcast zu sein.

00:01:20: Ja, stelle ich doch unseren Hörerinnen und Hörern doch selbst am besten noch mal kurz vor.

00:01:24: Was machst du denn genau bei EDAC?

00:01:26: Und wie bist Du als Medizintechniker zum Thema Simulation gekommen?

00:01:31: Ähm ja also erstmal zu mir selbst!

00:01:33: Ich bin eben thirty-fünfjähriger Simulationsingenieur so wie du es ja gerade auch schon gesagt hast.

00:01:38: Ich habe eben medizintechnik studiert erst an der FH und dann an der Universität Also auch da schon ein bisschen sowohl eine praktische als auch eine sehr theoretische Seite mitgegeben bekommen Bin begeisterter Biomechaniker Deswegen ich nach meiner Karriere an der Uni als Student, dann dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter weitergemacht habe.

00:01:54: Fünf Jahre dort gearbeitet habe da schon mit den Themen Forensik Medizintechnik und Automotive in Kontakt gekommen bin Und jetzt bei der EDAC bin.

00:02:03: und erstaunlicherweise Simulation ist ein Thema was sich seit dem Bachelor durchzieht damals im Bachelor-Studium schon mit einfachen Simulationen angefangen.

00:02:12: Bei uns war das damals alles sehr einfach, das war viel eindimensional – das war am Grunde so mit MATLAB, MATLABSIMULINK auf der Ebene.

00:02:19: und umso mehr hat es mich danach fasziniert als selbst im Masterstudium bei uns schon komplexere Simulation mit Mehrkörpern in Spiel kamen und dann später eben auch finiete Elemente.

00:02:29: Und ja diese Faszination hat mich dazu gebracht dass ich dem Thema Simulation treu geblieben bin!

00:02:34: Vielleicht steigen wir mal ganz grundlegend ein, wenn wir über Simulation in der Medizintechnik sprechen.

00:02:39: Worüber reden wir da eigentlich konkret?

00:02:41: Damit wir das besser greifen können!

00:02:43: Ganz allgemein ist eine Simulation, z. B., ein Modell die Nachbildung eines Systems mit seinen dynamischen Prozessen am experimentierfähigen Modell.

00:02:52: Das heißt dann an der Stelle mit dem experimentierfähigem Modell dass wir mit dieser Art der Nachbildung immer etwas haben was wir nachher auf die Realität wieder zurück übertragen können.

00:03:04: Das erstaunliche für uns ist jetzt das wir mit diesem Thema Modellierung und Simulation von der Definition ausgehend eigentlich nicht nur Über diese numerischen computergestützten Modelle sprechen, sondern theoretisch ist eine Simulation auch so was wie ein Patiententrainer irgendwo.

00:03:19: Eine Pupe für das OP-Training beziehungsweise für andere medizintechnische Anwendungen.

00:03:24: aber für uns ist eben vor allem dieses ganze Thema numerical simulation eigentlich der Schwerpunkt.

00:03:30: und dann reden wir ganz häufig von irgendwelchen Geometrien die für uns diskritisiert sind und wo wir dann irgendwelche verschiedenen Lasten aufgeben in diesem dreidimensionalen Umfeld und es dann anschauen können sich zum Beispiel Spannungen über das Modell und über diesen zuvor bereits am Computer entwickelten Entwurf.

00:03:47: Das heißt, ihr seid also stark in der numerischen Simulation.

00:03:51: und wo im Entwicklungsprozess eines Medizinprodukts?

00:03:55: kommt denn diese Art von Simulation heute typischerweise zum Einsatz?

00:03:59: Ist das eher früh im Design oder später bei Tests oder Validierungen?

00:04:03: Ehrlicherweise

00:04:03: können wir es eigentlich an beiden Stellen schon einsetzen.

00:04:06: Also der größte Vorteil vermutlich von der Simulation ist eben genau schon im frühen Design weil was ich mit der Simulation machen kann ist, dass ich so was wie eine Risikoabschätzung schon viel präziser durchführen kann weil ich schon viel mehr weiß wo wirklich meine Belastungsgrenzen von meinem Modell liegen.

00:04:24: Ich kann aber eine Simulation und die Simulationergebnisdaten auch heranziehen wenn es schon sowas wie diese Präklinische Phase geht, weil ich dann ausgehend von der Simulation meinen Parameterraum für die klinische Prüfung schon weiter eingrenzen kann.

00:04:38: und naja perspektivisch also mit den letzten Entwicklungen die wir im amerikanischen Raum haben ergeben sich Möglichkeiten für die postklinische Phase, dass wir dort dann anfangen und Ergebnisdaten aus dieser klinischen dann mit Simulationsdaten zumindest auffüllen.

00:04:53: Spannend!

00:04:54: Aber gibt es so bestimmte Produktgruppen oder Beispiele, die du nennen kannst bei denen Simulation jetzt in diesen Bereichen auch vielleicht schon Standard ist?

00:05:03: Von Standard können wir hier eigentlich nicht unbedingt reden weil was Zumindest von dem, wie wir es wahrnehmen.

00:05:08: Ganz häufig sehen ist das Simulationen vor allem auch bei großen Unternehmen durchaus schon angekommen ist was auch daher kommen mag dass es natürlich für sich auch eine neue Methode ist.

00:05:19: die große Schwierigkeit ist jetzt vor allem darin dass gerade auch die Innovationstreiber in Medizintechnik was ja ganz häufig auch kleine und mittelständische Unternehmen sind dass die eben diese ganze Thema Simulation für sich entweder nicht so, ich sag jetzt mal ganz da noch auf dem Schirm haben oder aber das hier einfach die Kapazität fehlt.

00:05:37: Dass man sagt wir haben an der Stelle keine Ahnung wie wir uns in diesem neuen Feld bewegen können angefangen bei der Frage was können wir nachher eigentlich alles simulieren?

00:05:45: Also von daher haben wir definitiv noch nicht so eine große Durchdringung, dass wir sagen könnten das ist wirklich Standard.

00:05:50: und zu Produktgruppen Beispiele wo es eben jetzt von den größeren schon genutzt wird kannst du da ein paar praktische Beispiele geben

00:05:58: tatsächlich vieles.

00:05:59: Also es gibt beispielsweise auch in der Prothesen-Entwicklung, gibt's durchaus Best Practice Anwendung.

00:06:05: Es gibt aber auch erste Ansätze von beispielsweise verschiedenen Blutpumpen.

00:06:09: Aber wie gesagt das hängt auch mal ein bisschen davon ab nachher wer das ganz macht.

00:06:12: weil was die Medizintechnikbranche natürlich herauszeichnet ist dass dies ein unglaublich vielfältiges Feld ist mit wahnsinnig vielen Produkten und das ist ja auch ein Stück weit eine Herausforderung dabei.

00:06:22: wir haben einen sehr breit gestreuten Markt und dadurch nachher auch viele verschiedene Stolperstellen wenns darum geht Wie sehr denn jetzt eine potenzielle Best Practice für ein bestimmtes Produkt aus?

00:06:33: Stößt dann Simulation auch an technische oder praktische Grenzen, weil du hast es gerade schon erwähnt.

00:06:38: Eine Vielfalt an Produkten.

00:06:39: also wir haben in Europa etwa fünfhunderttausend verschiedene Medizinprodukte meistens keine Massenprodukte sondern sehr sehr individuelle Produkte.

00:06:46: heißt die Simulation kann hier tatsächlich auch an Grenzen stoßen?

00:06:49: Natürlich das Modell beziehungsweise auch diese Simulation ist natürlich immer nur so gut zum einen wie die Daten auf denen sie aufbaut und dann am Ende auch nur so die ich heranziehe, um mein Modell weiter zu validieren.

00:07:03: Also heißt wenn die Datengrundlage an der Stelle schwach ist was auch in der Medizintechnik nicht immer so unüblich ist dann komme ich mit meiner Simulation natürlich auch an gewisse Grenzen weil irgendwo darauf baue ich ja wieder auf wie gerade gesagt es ist im Grunde immer diese Nachbildung eines experimentierfähigen Modells also ich brauche dafür auch immer das reale Equivalent.

00:07:20: Da kommt ursprünglich stark aus der Automobilindustrie, einer Branche in der Simulation durchaus heute eine sehr wichtige Rolle spielt.

00:07:28: Welche Bedeutung hat sie denn dort im Entwicklungsprozess?

00:07:32: Tatsächlich ist es dort ein Tool, eine Methode die sich über den kompletten Entwicklungsprozess für das finale Produkt mit durchzieht.

00:07:41: Also wir haben angefangen von einer frühen häufig auch fast reinen digitalen Phase mit wenigen Prototypen nachher die kontinuierliche Weiterentwicklung bis zu dem Punkt dass wir auch dort nachher im Grunde Vorserie und Reife Zustände haben die dann auch nochmal mit den Simulationen gegen geprüft werden wo wir im Grund aus den heraus.

00:08:02: Für uns dann auch schon gewisse Parameter extrahieren, wenn es zum Beispiel im Bereich der Fahrzeugsicherheit darum geht wann welche Airbags gezündet werden müssen weil das sind ja alles hochdynamische Prozesse und da reden wir um Anpassung die im Millisekundbereich stattfinden.

00:08:15: Das basiert an ganz häufig schon auf den Simulationen und wird dann eben nachher in der Realität gegen geprüft.

00:08:21: und jetzt auch mit den letzten Entwicklungen gerade auch im Verbraucherschutz sind wir im Automotive-Bereich soweit dass dort auch Simulation als Virtual Testding an den für den Verbraucherschutz und die Verbraucher Schutzbewertung nachher herangezogen werden.

00:08:35: Das heißt, da gibt es im Prinzip schon einen gemeinsamen Konsens und irgendwie auch schon eine Art von Goldstandards kann man sagen

00:08:42: Genau.

00:08:43: Und wie weit ist da jetzt die Methec noch davon entfernt?

00:08:46: Na ja, also so wie wir es gerade gesagt haben das Problem was wir vielleicht in der MetheC haben ist dass wir eben durch wieder diese Produktvielfalt für aktuell einzelne Produkte zumindest mal eben diese Best Practices haben aber zumindest auch sowas wie dieser Gold Standard.

00:09:02: Da gibt es vorsichtig gesagt erste Tendenzen.

00:09:05: Aber es ist nicht so, dass wir dort eine One Size Fits All Lösung hätten sondern wir haben dort angefangen.

00:09:12: von den verschiedenen Rechnumgebungen bzw.

00:09:14: in verschiedenen Zollern haben wir teilweise auch ganz individuelle Lösungen, ausgehend davon wie die ursprüngliche Fragestellung irgendwann mal war.

00:09:20: also von daher ist es aktuell doch noch recht kunden und anwendungsbezogen.

00:09:25: aber kommen wir zurück auf den Nutzen für die Methec-Unternehmen der ja definitiv da ist Wenn wir das jetzt einmal aus der Perspektive eines Methec-Unternehmers betrachten, was verändert sich denn konkret in meinem Entwicklungsprozess wenn ich jetzt Simulation stärker einsetze?

00:09:41: Ich sage das ja gerade schon mal.

00:09:41: Wir können im Grunde mit dem Entwurf die ganze Risikopbsicherung oder ein Teil der Risikopsicherung und gerade diese ganze Thema Sicherheit können bis zu einem gewissen Grad unterstützen bis abdecken.

00:09:53: also heißt wir können am Anfang ohne dass wir jetzt allzu viele Prototypen brauchen in verschiedenen Stellen darüber treffen, wo jetzt gerade verschiedene Worst Case-Szenarien liegen.

00:10:05: Wir können aber auch bei verschiedenen Produktoptimierungen und nachher bei Clusterung für verschiedene Anwendungsgebiete durch z.B.

00:10:11: Prothesen die Anwendung für verschiedengroße Anwender mit realistisch betrachtet verschiedene Knochengeometrien.

00:10:18: dort können wir dann nachher auch mit Simulation angreifen.

00:10:21: weil der große Vorteil von der Simulation an der Stelle ist natürlich dass wir bei der Simulation zumindest nicht diesen ethischen Konflikt den wir zum Beispiel auch in einer klinischen Prüfung an der Stelle hätten.

00:10:32: Also heißt vieles, wo der Prototypenbau vielleicht irgendwo auch ein Stück weit an seinen Grenzen stößt

00:10:36: Hast du vielleicht auch ein konkretes Beispiel, also du hast jetzt schon ein paar genannt.

00:10:39: Aber wo du sagen kannst hey da hat die Simulation total geholfen in Problemen frühzeitig zu erkennen das vielleicht später echt teuer geworden wäre?

00:10:46: Also

00:10:46: was mich an der Stelle immer ein Stück weit fasziniert sind vor allem Simulation aus dem Bereich Fluid Dynamics also dass wir so als CFD bezeichnen weil das vielleicht auch noch das am ehesten das fassbar ist was man sonst mit diesem Physical Testing den Prototypenbau sehr schlecht fassen kann weil uns muss ich an der stelle viel mit Kontrastmitteln arbeiten Und mit Simulation von genau diesen Computational Fluid Dynamics hatten wir zum Beispiel auch ein Projekt, wo wir eine Spülkammer.

00:11:13: Es wirkt so ganz trivial aber wo wir diese Spülkammer hinsichtlich solcher Punkte wie Luft einschlüsse und dementsprechend ausbleibende Reinigungen da drüber urteilen können?

00:11:24: Weil das Thema Hygiene und Hygienerisiko ist der Medizintechnik ja ebenfalls ein sehr großes Feld.

00:11:29: Absolut!

00:11:30: Jetzt sind viele Methec-Unternehmen ja vor allem kleinere und mittlere Unternehmen.

00:11:34: Und du hast das Eingangs auch schon mal erwähnt, oft die Innovationstreiber in der Branche.

00:11:38: Wie kann denn für diese Unternehmen ein realistischer Einstieg in Simulationen aussehen?

00:11:44: Wo steckt das große ungenutzte Potenzial?

00:11:47: Also das erste was immer volllingen muss ist dass auch dieses Innovationstreiber für sich erstmal eine gewisse Erkenntnis darüber haben müssen wo denn die Möglichkeiten mit der Simulation liegen.

00:11:58: also heißt besten Fall wäre es natürlich so, dass sich gerade solche Unternehmen entweder in Netzwerken wie wir das ja hier im Tutling auch mit euch mit dem Medical Mountains haben oder zum Beispiel direkt an über etwa Dienstleister also uns informieren dort eben in Richtung von Machbarkeitsgesprächen gehen und dort auch dort anfangen erste Prototypen zu bauen oder halt eben Best Practices für sich zu entwickeln um da genau an diesen Stand zu kommen.

00:12:23: Dass sie das Thema der Machbarkeit für sich einfach besser beurteilen können und

00:12:27: Kompetenzaufbau gehört sicherlich auch noch dazu an der Stelle.

00:12:30: Wir werden auch bei uns einen Lehrgang anbieten zum Thema Simulation, da freue ich mich auch schon riesig drauf dass wir diese Kompetenz ins Cluster bringen können.

00:12:38: jetzt ist Edak ja auch beteiligt.

00:12:39: bei unserem Projekt Case for Meet hatte ich eingangs auch schon kurz erwähnt wo wir den Einstieg in die Simulation gemeinsam mit Unternehmen angehen möchten und eben auch bewusst niederschwellig unter anderem im Gemeinschaftsprojekt zur Simulation von Produktlebensdauer.

00:12:54: Welche Rolle hat denn die Simulation bei der Vorhersage der Lebensdauer von Medizinprodukten bzw.

00:12:59: welche Rolle kann sie spielen?

00:13:01: Was wir an der Stelle haben, zumindest wenn wir hier von dieser mechanischen Lebensdauersprechen also das was im Grunde aus der Ermüdung kommt beziehungsweise nachher aus der Dauerbelastungen ist natürlich auch dass ich Simulation mit einer Vielzahl von Lastzyklen von zwei bis fünf Millionen Lastzyklen vergleichsweise einfach auch mit vielen verschiedenen Varianten doch einfach umsetzen kann.

00:13:22: Ich brauche also keinen als zu großen, als zu komplexen Prüflabore.

00:13:26: Im besten Fall habe ich natürlich immer noch ein paar physische Äquivalente weil irgendwo mit muss ich mein Modell nachher nochmal validieren.

00:13:32: aber hiermit kann ich mit vergleichsweise wenig Aufwand eine Vielzahl an Varianten gerade eben auf solche Dinge wie Dauerlaufeigenschaften auf Spannungsspitzen und potenzielles Schwachstellen irgendwo im Design hin A überprüfen und dann B natürlich auch optimieren um das Risiko langfristig für den Endanwender zu minimieren.

00:13:50: Und das ist jetzt Lebensdauer im Bezug auf Ermüdung oder Belastung.

00:13:54: Jetzt bedeutet in der Medizintechnik, Lebensdauern ja auch noch das Thema wie oft kann ich das Instrument wieder aufbereiten?

00:14:01: Das heißt, wie oft überlebt es diese Zyklen?

00:14:03: gibt's denn auch Möglichkeiten oder ist da auch Potenzial aus solche biochemischen Aspekte zu simulieren?

00:14:08: Potenzial gibt es, also es gibt dort auch schon verschiedene Programme bzw.

00:14:13: verschiedene Solveren mit denen wir grundsätzlich genau in die Richtung gegangen werden, also so Themen wie biochemische Korrosion oder Bio-Korrosion dort zu simulieren.

00:14:22: Die große Schwachstelle, die ich hier natürlich aber sehe ist zumindest aktuell auch ausgehend von dem was ich am Anfang gesagt habe.

00:14:29: Die Modelle, die wir hier verwenden sind immer nur so gut wie die Daten auf denen sie aufbauen.

00:14:34: Also heißt es die Materialien, die hier verwendet werden müssten im Vorfeld einmal mit der entsprechenden Sorgfalt natürlich aufgebaut werden und auch dann kommen wir erst zu wirklich validen und verlässlichen Informationen.

00:14:44: Das

00:14:45: heißt das ist extrem wichtig auch reale Nutzungsdaten aus der Praxis zu haben, zu generieren.

00:14:51: also verstehe ich das richtig?

00:14:52: Und welche Möglichkeiten entstehen dann diese Simulationen mit diesen realen Nutzungstaten zu kombinieren?

00:14:57: oder ist das das Ausschlaggebende?

00:14:59: Also vor allem ist es das Thema der Skalierbarkeit, weil eben diese realen Nutzungsdaten brauche ich ja zum Beispiel um meine Materialmodelle die ein ganz fundamentaler Bestandteil meiner Modellierung sind.

00:15:09: Um die zu verfeinern und nachher Aussagen treffen zu können auch wieder hier über gewisse Versagensgrenzen über die allgemeine Parametrisie, damit ich die nachher auf andere Produktentwürfe übertragen kann und dann mit denen eben neue Optimierung also vergleichbaren Produkten eine neue Optimisierung durchführen kann.

00:15:26: Jetzt sind wir in der Medizintechnik zu Hause und wer unsere Podcasts kennt, weiß dass das Thema regulatorisch uns auch durchweg- und immer beschäftigt.

00:15:34: Wir haben es einfach mit einer hoch regulierten Branche zu tun.

00:15:37: Welche Rolle spielen dann Simulationsergebnisse heute bereits im regulatorischen Umfeld?

00:15:43: werden die berücksichtigt?

00:15:45: Ja sie haben jetzt schon einen regulatorischen Einfluss.

00:15:48: Ich sage das ja am Anfang schon mal... Zum einen haben sie insofern natürlich ein Einfluss, weil ich die klinischen Phasen bzw.

00:15:55: die Klinische Prüfung dadurch besser konzipieren kann, besser parametrisieren kann.

00:15:59: Es gibt aber zum Beispiel in den USA jetzt auch schon die Möglichkeit dass ich über diesen Ähnlichkeitsabgleich danach einen Nachweis erbringe mit einer Simulation, das ein ähnliches Produkt oder ein durchaus gleichwertiges Produkt mit einer simulation nachweisen kann.

00:16:17: Das ist kein verändertes Risiko aufweist und daher im Grunde als solches dann auch mit dem gleichen Risiko in den Markt zu bringen ist.

00:16:26: also heißt da kann nicht theoretisch simulations gestützt ein produkt schon unterstützend zulassen.

00:16:33: Das ist jetzt zumindest bei uns in Europa mit der MDR, in der Form noch nicht gegeben aber daran wird ja zumindest schon gearbeitet.

00:16:41: Genau also FDA.

00:16:42: Ansätze aus den USA existieren heute schon und perspektivisch gibt es bei der MTR Änderungen.

00:16:50: gerade New Approach Methodologies, so nennen sie das wie in Silicotesting Simulation sollen eben auch als nicht klinische Daten zur ausreichenden Bestätigung der Sicherheits- und Leistungsanforderungen eines Medizinproduktes zugelassen werden.

00:17:03: Das steht im Revisionsentwurf, das freut uns her!

00:17:06: Dass das kommt, eröffnet der ganzen Thematikpflicht auch nochmal neue Möglichkeiten und auch noch mal generell einen Schub.

00:17:12: Wenn es so explizit anerkannt wird?

00:17:14: Ja absolut.

00:17:15: aber was ist dafür natürlich auch ein Stück weit braucht ist wenn ich für die Revision auf meine Daten, meine Simulationsdaten zugreifen dann hilft es ungemein wenn es eben an dieser Stelle auch schon wieder diese Best Practice oder diesen Konsens gibt.

00:17:29: Wenn man weiß was dort an anderer Stelle mit Simulationen schon möglich war damit ich auf die nachher wieder verweisen kann damit eben niemand die Arbeit wieder komplett von null aufmachen kann, sondern man konnte üblich aufeinanderaufbaut.

00:17:40: Heißt dranbleiben und sich vorbereiten?

00:17:42: Und wenn ich es dann noch intensiver nutzen kann, dann auch nutzen!

00:17:45: Ganz genau.

00:17:46: Glaubst du denn das auch so virtuelle Tests oder digitale Zwillinge oder eben in Silicomethoden in Zukunft dann auch von den Unternehmen tatsächlich stärker in regulatorische Prozesse integriert werden?

00:17:58: Ich

00:17:58: denke mal ja.

00:17:59: also zum einen gehe ich grundsätzlich davon aus, dass natürlich die Rechenkapazität in Zukunft noch weiter steigen wird.

00:18:05: Also auch das was wir jetzt an Simulationszeiten haben beziehungsweise der jetzige Zeitgewinn, der sich ja durchaus auch aus Simulationen ergibt, der wird sich halt noch mehr niederschlagen wenn die Simulation weniger Simulationszeit benötigt und damit wird doch einfach der Wettbewerbsvorteil mit Simulation umso größer werden.

00:18:24: und wenn dann auch die regulatorische Hürde genommen ist und es eben einen breiteren Konsens darüber gibt wieder in dieser Best Practice nachher auszusehen hat.

00:18:33: Ich glaube, dann ist es nachher ein Stück weit auch wenn das jetzt sehr hart klingt Survival auf der Fit

00:18:38: ist.".

00:18:39: Und du hast es gerade gesagt Rechenkapazität.

00:18:41: siehst du die bei den Unternehmen oder siehst Du die bei dem Dienstleistern?

00:18:45: Ganz individuell, das hängt natürlich auch nachher davon ab wie groß das Unternehmen ist beziehungsweise welche Fragestellungen hierbei bearbeitet werden sollen.

00:18:52: Wenn ich regelmäßig immer wieder die gleichen Prozesse habe bzw.

00:18:56: die gleichen Frageställungen mit denen ich so eine Simulation aufbaue dann ist es denke ich durchaus auch sinnvoll dass Unternehmen ab einer gewissen Größe sich eigene Rechenkapazitäten beschaffen.

00:19:05: aber gerade auch immer wieder bei neuen Themen kann es durchaus sehr hilfreich sein wenn ich auch hier Aufgaben ausgliede und wenn ich dann hier auf verschiedene Dienstleiste zugehe wenn ich auf Rechenzentren zugehe, also auch das Hochlässungs-Rechenzentrum ist ja auch über uns im Caseformat und dass sich darüber dann zumindest temporär auch Rechenkapazitäten einkaufen.

00:19:25: Und ihr habt ja selber zum Beispiel auch Rechenkapazität die ihr zur Verfügung stellen könnt?

00:19:30: Genau!

00:19:31: Ja,

00:19:31: dann schauen wir nochmal den Blick nach vorne – wir hatten es zwar jetzt schon immer wieder davon aber ich würde's gerne einfach noch mal als diesen positiven Schub nach vorne erwähnen, wenn wir jetzt zehn Jahre nach vorne schauen... Welche Rolle wird deiner Meinung nach die Simulation dann in der Medizintechnik wirklich spielen?

00:19:48: Im besten Fall haben wir genau diese Frühentwicklung, von der ich gerade gesprochen habe.

00:19:53: Die dann zu ganz großen Teilen und vor allem auch flächendeckend durch Modellierung und Simulation abgedeckt wird.

00:20:00: Und das ist hier im besten Fall das Thema Modellierung und Simulation in ähnlicher Weise wie wir es jetzt in der Automotive haben als Methode zumindest durch den kompletten Entwicklungsprozess auch parallel somit durchzieht, um für sich immer wieder zu neuen Ergebnissen zu kommen und die eigenen Ergebnisse besser absichern zu können.

00:20:17: Und auch jetzt noch mal du als Patrick Lerge.

00:20:20: wenn Du jetzt mit einem Methec-Unternehmer sprichst und vielleicht auch eben einen kleineren KMU was würdest Du ihm sagen und raten?

00:20:29: Wenn derjenige sagt naja Simulation klingt ja irgendwie alles spannend, aber ich kann es nicht wirklich greifen.

00:20:34: Ich weiß auch nicht wo anfangen was rätst du?

00:20:36: Ich

00:20:37: würde ihn vermutlich dazu einladen mit uns direkt in Dialog zu kommen damit wir genau dieses Thema von Machbarkeit und die Grenzen des Machbaren ist eine feasibility study.

00:20:49: das wird genauso so etwas an der Stelle für seine individuellen Anforderungen und Bedürfnisse aufsetzen um ihn dort an der Stelle auch ein Stück weit aufzuschlauen.

00:20:59: Und siehst du es als Wettbewerbsvorteil, wenn man sich jetzt damit beschäftigt?

00:21:02: Ja absolut.

00:21:03: Also wenn es nachher darum geht dass die Simulation in naher Zukunft beispielsweise auch in Europa fest in der MDR verankert werden sollte dann reicht es nicht aus sich dem Thema erst dann zu nähern wenn es bereits soweit ist und wenn die Umsetzung dann bereits erfolgt ist sondern bereits frühzeitig die entsprechenden Weichen zu stellen auf so etwas vorzubereiten sich mit dem Thema zu beschäftigen um dann an der Stelle auch mitreden zu

00:21:28: können.

00:21:28: Besser könnte ich es nicht sagen und dafür haben wir jetzt zum Beispiel solche Projekte wie Case for Meet, wo wir eben auch diesen Nutzen bieten möchten oder den Lehrgang, den wir anbieten.

00:21:37: Also gerne die Aufforderung an euch draußen meldet euch bei uns!

00:21:41: Und wir versuchen natürlich auch Kontakte zu euch herzustellen kommen zu den Workshops, kommt zu den Austauschformaten und beschäftigt euch frühzeitig mit dem Thema.

00:21:49: Eigentlich ein perfekter Abschluss, aber Patrick ich möchte dich nicht gehen lassen ohne dass auch unsere Hörer dich ein bisschen besser kennenlernen.

00:21:55: Deshalb haben wir zum Ende unseres Podcasts immer drei Fragen zum Steckbrief entweder oder fragen.

00:22:01: Du kennst sie nicht.

00:22:02: du musst ganz spontan antworten und solltest dich wenn möglich entscheiden!

00:22:08: Und ich lege mal los.

00:22:10: Automobil?

00:22:11: Oder Medizinprodukt?

00:22:13: Oh der Frage habe ich tatsächlich ein Stück weit gerechnet.

00:22:16: Ich weiß nicht, ob ich mich da entscheiden kann.

00:22:18: Weil es ist das Schöne!

00:22:20: Es gibt wahnsinnige Schnittmengen mit beiden Branchen und ich fühle mich tatsächlich auch dazwischen gerade aktuell doch sehr wohl.

00:22:29: Dann mache ich gleich mal so weiter.

00:22:30: Lieber selber auf der Rennstrecke sein oder mal im OP-Saal assistieren?

00:22:35: Ich glaube, ich wäre schon auch ganz gerne mal auf der Rennstreckel.

00:22:38: Okay – und zu guter Letzt!

00:22:40: Lieber einen Podcast hören oder lieber Musik hören?

00:22:44: Tatsächlich meistens... eher der Podcast.

00:22:46: Auch deswegen, um wieder mit dem ganzen Themenvielfall die einen Podcast da geboten wird sich damit auseinandersetzen zu können und auch immer wieder etwas Neues zu erfahren

00:22:55: Was Neues zu lernen, sehr schön.

00:22:57: Patrick vielen Dank für dieses spannende Gespräch und für diese Einblicke in das Thema Simulation.

00:23:03: Danke natürlich auch an euch Hörer fürs Einschalten!

00:23:07: Wenn ihr mehr über Simulation lernen möchtet oder wenn ja auch etwas über das Projekt Case Format erfahren möchtest dann meldet euch bei uns oder schaut doch einfach mal auf der Webseite www.caseformat geschrieben case Die Zahl vier met.de vorbei, da gibt's ganz viele Informationen und natürlich auch bei uns direkt beim Medical Mountains!

00:23:26: Wir würden uns freuen wenn wir euch das Thema so ein bisschen näher gebracht haben und ihr da Interesse entwickelt und euch da wirklich besser aufstellen möchtet für die Zukunft – wir sind da und wir freuen uns wenn ihr euch meldet.

00:23:39: Und damit bis zur nächsten Folge von Metalk on Air.

00:23:41: und vielen Dank Patrick dass du da warst.

00:23:43: Ja Julia vielen dank dir

00:23:46: Das war Metalk On Air.

00:23:48: Der Medizintechnik-Podcast von Medical Mountains mit Julia Steckeller abonniert unseren Podcast, damit ihr keine Folge mehr verpasst.

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